Deutsche Küche war nie das Problem. Die Erzählung war es.
Frankfurt ist eine Stadt der Kontraste: Bankentürme und Apfelwein, Weltfinanz und Ebbelwoi-Wirtschaft. Dass ausgerechnet hier die vielleicht aufregendste Interpretation der Neuen Deutschen Küche entstanden ist, überrascht nur auf den ersten Blick. Das Sternenhimmel Frankfurt, hoch über den Dächern der Stadt, hat in drei Jahren zwei Michelin-Sterne erkocht – und dabei nie vergessen, wo es herkommt.
Was ist Neue Deutsche Küche überhaupt?
Der Begriff klingt nach Manifest, nach Bewegung, nach Bruch mit der Vergangenheit. Dabei ist es eigentlich das Gegenteil: Neue Deutsche Küche bedeutet, die eigene kulinarische Geschichte ernst zu nehmen – und sie mit modernen Techniken, globalem Wissen und einem unerschrockenen Blick auf die Gegenwart neu zu interpretieren.
Chefköchin Elena Schreiber, 34, hat das Handwerk in München, Kopenhagen und Tokio gelernt. Zurück in Deutschland hat sie eine Frage mitgebracht: Warum kochen wir nicht so, wie wir eigentlich sind? Selbstbewusst, präzise, mit Tiefe.
KI-generiertWarum kochen wir nicht so, wie wir eigentlich sind?
Das Menü als Erzählung
Das Degustationsmenü im Sternenhimmel besteht aus neun Gängen – und erzählt dabei eine Geschichte, die mit einem Gruß aus der Hessischen Rhön beginnt und mit einem Dessert endet, das die Skyline Frankfurts in weißer Schokolade und Espressogel zitiert. Dazwischen: Wildkräuter aus dem Taunus, Forelle aus dem Main, Wagyu aus einer Zucht im Vogelsberg.
Jeder Gang ist ein Kapitel. Jedes Kapitel ist eine Entscheidung. Und jede Entscheidung ist begründet – nicht durch Trend, sondern durch Überzeugung.
Der Blick über die Stadt
Das Restaurant liegt im 28. Stockwerk eines Büroturms im Bankenviertel. Die Aussicht ist atemberaubend – aber Elena Schreiber hat dafür gesorgt, dass sie nicht das Einzige ist, woran man sich erinnert. Die Tische sind so angeordnet, dass jeder Gast die Skyline sieht. Aber die Augen wandern immer wieder zurück zum Teller.
Das ist die eigentliche Leistung des Sternenhimmels: Er macht die Stadt zum Kontext, nicht zur Kulisse.
